Drei Stufen der Mission

Die Mission meint den tiefsten Antrieb für deine Handlungen, die grundlegende Ausrichtung deines Lebens, die Sinnerfüllung für dein Leben. Im Unterschied dazu sind flachere Antriebe: das Leben nach inneren Werten, nach Zielen, nach Lust/Unlust, Angst, Schmerzvermeidung u.v.a.m.

1. Prärationale Stufe

Auf dieser Stufe sind die Prozesse noch nicht bewusst. Es geht in der Mission um mir-mein-mich. Der (unbewussten) Mission zu folgen ist nicht unangenehm, im Gegenteil sie gibt Geborgenheit und Sicherheit.

Zwei Beispiele:
Frank hat die letzten zwei Jahrzehnte seines Lebens auf seine Arbeit, seine Karriere ausgerichtet. In der Bewusstwerdung wird ihm klar, dass er dabei den unbewussten Botschaften seines Vaters folgte, und er sich so die Anerkennung seines Vaters erarbeiten wollte. Für ihn selbst und seine Umgebung ist er klar auf seine Mission ausgerichtet, die gesellschaftlich hoch geschätzt ist.

Matthias hat beruflich keinen Fuß fassen können. Was immer er anfasst, bleibt ohne Erfolg. Seine Haltung dazu ist, dass er das gut findet: „Ich lass mich doch nicht in die Maschine einspannen, ich mach was mir gut tut“. In der Bewusstwerdung wird ihm klar, dass er immer noch gegen den Vater kämpft, der sich Sorgen um seine berufliche Zukunft machte und ihn schon in der Schule zum lernen Zwang. Unbewusst ist er den väterlichen Prognosen gefolgt: „Wenn du nicht …, dann wird nie etwas Richtiges aus dir“. Seine unbewusste Mission war es, dem Vater zu beweisen, dass er recht behalten sollte.

2. Rationale Stufe

Auf dieser Stufe werden die Prozesse langsam bewusst. Es geht in der Mission um Mein und Dein. Mit Hilfe geeigneter Instrumente z.B. von Visualisierungen kann bewusst ein Ziel angestrebt werden. Es wird oft erreicht, sofern nicht andere, unbewusste Prozesse den Erfolg torpedieren. Nach Aufdeckung der unbewussten Mission entsteht zunächst oft das Gefühl der Orientierungslosigkeit. Die bewusst gewählten Missionen wirken fade und auf tiefer Ebene wenig überzeugend. Der bewussten Mission zu folgen ist oft mit einer ständigen Anstrengung und Selbstkontrolle verbunden. Daraus folgt manchmal die Aufgabe der Suche. Dieser Verzicht kann z.B durch „Ach ich brauche keine Mission, ich lebe so in den Tag hinein am besten“ rationalisiert werden.

Anton hat sich nach Abschluss seiner Therapie darauf ausgerichtet, eine gute, partnerschaftliche Beziehung mit Manuela zu führen. Dabei entschlüsseln die beiden weitere unbewusste Prozesse, unterstützen sich bei der Entwicklung gegenseitig und sind am Wohlergehen des Partners orientiert.

Fred ist sein Jahren unzufrieden. Nachdem er mit seinen alten väterlichen Aufträgen im Reinen ist, hat er noch kein neues Ziel in seinem Leben gefunden. Der Schmerz über die Orientierungslosigkeit wird schließlich so groß, dass er aufgibt und sich treiben lässt. Er folgt nur noch seiner Bequemlichkeit und den momentanen Einfällen. Seine Freundin ist total entnerft über diesen depolarisierten Mann und droht ihn zu verlassen.

3. Transrationale Stufe

Auf dieser Stufe sind die Prozesse weitgehend bewusst und es beginnt die Öffnung für das geführt werden durch eine überpersönliche Quelle. Es geht in der Mission nun um das, was sich spezifisch durch dich in der Welt ausdrücken möchte. Die eigenen Bedürfnisse und die Sorge um die eigene Entwicklung treten zurück. Auch weitet sich der Zielbereich deutlich über die Partnerin oder persönliche Freundschaften hinaus. Wird die Mission erst einmal – und sei es nur für den Augenblick – gefunden, stellt sich eine tiefe Entspannung ein, weil du „auf der Spur“, d.h. an deiner wirklichen Bestimmung angekommen bist. Der Mission zu folgen wird dann selbstverständlich und einfach.

Hans kann sich seit dem einen Gespräch in der Männergruppe vor einem Jahr entspannen: Ihm ist dort klar geworden, dass er sich endlich der Führung seiner inneren Stimme anvertrauen kann, seinen technischen Beruf aufzugeben und sich ganz der Arbeit mit anderen Menschen zu zu wenden. Im Tiefsten ruhend ist er zu einer lebendigen Inspiration für seine Umgebung geworden. Seine Existenzängste tauchen gelegentlich noch auf, aber sie halten Ihn nicht mehr auf.

Mehr (intern):
Das Maskuline und seine Mission
Entwicklung oder Sein?
Von der Koabhängigkeit zur Liebesbeziehung
Der nächste Schritt

Mehr (Extern)
Ken Wilber zur Prä/Transrationalität und deren Verwechselung

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