Ebenen der (vermiedenen) Eifersucht

Eifersucht ist ein sehr unangenehmes Gefühl.  Unsere normale Reaktion ist: Das soll nicht sein. Der Partner soll nicht … , dann geht das Gefühl schon wieder weg.

Um möglichst nicht mit Eifersucht in Berührung zu kommen, haben wir eine Vielzahl von Strategien gelernt, um sie zu vermeiden. Deshalb ist sie immer da.

Was genau ist Eifersucht?

„Eifersucht“ ist schnell gesagt aber nicht einfach einzugrenzen. Genau betrachtet ist es mein schmerzhaftes Gefühl, sobald der Partner „das Falsche“ tut. Bei der klassischen Eifersucht tut er „das Falsche“ mit einer anderen Person insbesondere etwas „Sexuelles“, aber er könnte auch eine Nummer kleiner sein.

Strategien gegen Eifersucht

Eifersucht können wir an zwei Orten vermeiden: Entweder bei uns – daher versuchen wir (unbewusst) den Partner zu kontrollieren. Und/oder wir wollen sie dem Partner ersparen. So vermeiden wir evt. schon den ersten Blickkontakt mit anderen Menschen, weil es ja weiter gehen könnte…

Aus Angst vor Eifersucht treffen wir sehr enge Verabredungen. Sie sollen eine Stau-Mauer errichten zu den Gefühls-Fluten der Eifersucht, die uns durchschütteln könnten.

Oder: Wir gehen nicht eine tiefe Beziehung ein, aus Angst davor  Eifersucht fühlen zu müssen.

Der Anlass für Eifersucht kann beliebig klein sein: Es sitzt zu viel am Computer; Sie will sich mit einer Freundin verabreden. Er spricht zu viel von einer Kollegin; Sie hat sich für die Party zu aufreizend angezogen. Er schaut auf der Staße langen Beinen nach; Sie  will sich nicht so oft verabreden.

Oft ist Eifersucht durch die eigene Phantasie kreiert wie ein schlechter Film: Wenn er eine Andere bewundernd ansieht – ist er schon mit ihr im Bett, hat dich verlassen, hat mit ihr Kinder. Oder, wenn ich als Frau ohne meinen Partner ausgehe, gehe ich in gedanken durch alle Situationen durch, in denen es schon mal Ärger gab und versuche mich entsprechend brav zu verhalten.

Mit (erpressten) Treue-Versprechen versuchen wir den Partner zu kontrollieren, aber es wirkt oft nicht lange. Treue-Versprechen helfen nicht gegen die schlechten inneren Filme und haben Nebenwirkungen.

Schauen wir einmal einem Muster-Paar zu: Sie will Sicherheit –  für eine feste Zukunft. Für Ihn gibt es ohnehin keine Sicherheit, weil sich ihre Gefühle ständig ändern. Die Hürde für ihn etwas mit einer anderen Frau anzufangen wird vielleicht größer, wenn er z.B geheiratet hat, aber auch das Gefühl von Unfreiheit. Er sammelt dann (unbewusst) Groll an, wenn er sich unfrei fühlt. Wie soll Liebe wachsen, wenn Vertrauen fehlt?

Gemeinsamer Besitz klebt zwar, macht aber nicht glücklich. Kinder als Geiseln für die Liebe des Partners haben es nicht leicht, selbst Vertrauen in die Liebe zu gewinnen. Das Leben ist einfach anders: Sicherheit für die Zukunft gibt es nicht.

So treiben wir in der Partnerschaft einen großen Aufwand um nicht mit Eifersucht in Berührung zu kommen bzw. sie dem Partner zu ersparen.

Aspekte der Eifersucht

Es lohnt sich genau hin zu fühlen welcher Aspekt, welche Ebene berührt wird, wenn wir Eifersucht vermeiden oder erleben. Dabei wird schnell klar, wie facettenreich und komplex das scheinbar klare Gefühl von Eifersucht im Detail sein kann. Oft steht nur einer oder wenige Aspekte im Vordergrund:

  1. Er/Sie gehört doch (zu) mir! – Verletzung meines Eigentums oder Territoriums.
  2. Partner/in ist „beschmutzt“ – Ich muss an die Andere/den Anderen denken, wenn wir zusammen sind.
  3. Der Boden unter meinen Füßen gibt nach – Meine Stabilität, Sicherheit bzw. ein zu Hause verlieren.
  4. Was mache ich bloß ohne dich – die Angst verlassen zu werden und allein zu sein.
  5. Was stimmt mit mir nicht (mehr)? – die Angst schlechter als die Andere/der Andere zu sein.
  6. Nie wieder werde ich (so eine) Liebe finden – die Angst, selbst keinen neuen Partner ab zu kriegen.
  7. Wieso nur er/sie? – Neid auf die Attraktivität des Partners
  8. Bin ich denn so leicht austauschbar? – Nichts besonderes zu sein für den Partner.

Wird das Thema jetzt für dich klarer? Was können wir nun damit tun?

Mein Vorschlag: Mit dem Gefühl zu sein, statt es zu vermeiden oder es weg zu drücken, kann sehr heilsam sein. Was kann ich über mich und meine Muster lernen? Was zeigt mir der Spiegel des Lebens über mich? Was vermeide ich zu spüren durch die Flucht in eine Sicherheit versprechende Beziehung? Was gibt mir wirklich Sicherheit?

Jetzt ist das Leben gerade so. Vielleicht stößt das Ereignis ein Wachstum an – bei uns beiden. Und wir bleiben zusammen, solange wir es beide wollen und solange es unserem Wachstum dient.

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