Yoga des Alltags

Im Alltag, mit uns selbst, unserem Partner, unseren Kollegen und Mitmenschen bemerken wir manchmal den Wunsch nach Veränderung. Der Andere macht etwas „falsch“ und soll anders sein. Oder, wir glauben an uns selbst sei etwas falsch. Warum? Weil oft erst im Kontakt mit Anderen ein Schmerz fühlbar wird, den wir zunächst nicht erkennen aber vermeiden wollen.

Wenn wir den göttlichen Fluss intensivieren wollen, der durch uns fließen möchte, bleibt uns keine andere Wahl, als unsere Grenzen zu weiten. An diesen Grenzen spüren wir Schmerzen. Daher erschaffen wir unsere Angst vor dem, was kommen könnte – schon bevor wir die Grenzen erreichten.  Die Angst soll uns helfen die Schmerzen zu vermeiden.  Unser Alltag gestaltet sich als ein Slalom der Vermeidung von Schmerzen.

Im Kern sind dabei stets wesentliche Urängste angerührt: Ängste vor dem allein sein, eingesperrt sein, nicht geliebt sein, erfolglos oder wertlos sein. Sie werden aus aktuellem Anlass geweckt und zeigen sich in unterschiedlicher Weise .

Der erste Schritt könnte sein, den Anlass getrennt zu sehen von den Urängsten und unserer Reaktion. Jeder Versuch, die Reaktion zu beseitigen, anzuhalten oder stoppen zu wollen, schüttet nur noch mehr Öl ins Feuer des Reagierens.

Im zweiten Schritt beginnen wir den Schmerz wirklich zu spüren, uns damit einzurichten, seine Süße zu schmecken und den Kampf dagegen aufgeben. Dann fällt die Angst vor dem Schmerz allmählich ab und wir beginnen die Reise nach innen.

Im dritten Schritt werden uns alte Muster zunehmend bekannt und vertraut. Wie alten Bekannten lächeln wir ihnen dann nur noch zu. Unsere vielfältigen Versuche, unseren Kampf zu rechtfertigen, erscheinen langsam im Licht des Gewahrseins. Wie oft haben wir uns selbst getäuscht und diese Muster in Bequemlichkeit ignoriert?

Die Schmerzen der Demütigung sind besonders schwer zu fühlen. Der Wunsch aufzuschreien lautet: „Ich bin doch wer!“. Unsere Begrenzungen zu erfahren, unsere eigene Unvollkommenheit und die Risse in den Selbstbildnissen ist keine leichte Aufgabe.

Und schließlich im vierten Schritt  sind die Schmerzen nichts anderes mehr als eine Körperempfindung. Keine alte Geschichte und keine neue Geschichte muss gefunden werden.

Dann erst wird es möglich die Reaktionen genauer anzuschauen: Das innere Nein, die körperliche Kontraktion, das Weg-haben-wollen, das Ausagieren usw. Keine Reaktion ist nötig nach außen und keine nach innen. Kein „du bist Schuld, dass ich…“ und kein „Bin ich so blöd, dass ich…“ Das  sehen reicht, dann zeigt sich die Reaktion immer schwächer und seltener.

Schließlich können wir im fünften Schritt wach und klar mit dem Schmerz sein, ihn einladen, als ob er für immer bleibt. Mit der Energie des Schmerzes atmen, Trauer zulassen, Bewegung zulassen und Eintauchen in den göttlichen Fluss von dem wir auch im Schmerz nicht getrennt sind.

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