Viele Menschen haben ein romantisches, sinnliches oder sexuelles Verlangen – sei es bezogen auf eine Begegnung oder auf eine längere Partnerschaft. Es speist sich aus unserer Biologie, aus unseren Erfahrungen und Vorlieben, aus der sexualisierten Medienwelt, aus kulturellen Erwartungen, Familienmodellen und vielem mehr. Es ist ein wichtiger und schöner Teil unseres Menschseins. Oft wirkt es unbewusst und zeigt sich dann als „Partnerscan“ – als ein fortlaufendes inneres Programm, das Begegnungen danach einordnet, ob es sich um potenzielle Partner handeln könnte.
In diesem Blog findest du viele Anregungen, um mehr Bewusstheit und Ausrichtung in deine Liebesbeziehungen zu bringen und sie in Richtung einer spirituellen Liebesbeziehung weiterzuentwickeln. Falls du weitere Unterstützung brauchst oder bisher keinen Partner in deinem Leben hast, um dieses Verlangen mit Klarheit und Bewusstheit zu leben, können wir uns das gern detaillierter und gemeinsam anschauen. Dies ist jedoch nur eine Möglichkeit, mit dem Verlangen umzugehen.
Dieser Beitrag geht in die andere Richtung: Nachdem du dein Verlangen erforscht hast, rege ich an zu prüfen, ob es im aktuellen Lebensabschnitt vielleicht für dich stimmig ist, frei von Verlangen zu leben.
Manchmal fällt das Verlangen von selbst ab, sei es durch veränderte Hormone, durch das Älterwerden oder durch gesundheitliche Einschränkungen.
Diese Frage stellt sich auch bei einer spirituellen Ausrichtung deines Lebens: wenn du ahnst, dass du mit etwas Größerem ohnehin ständig verbunden bist und es Alleinsein daher nicht gibt; wenn du erkennst, dass das Einzige, was der Verbindung zu anderen Menschen im Weg steht, deine mentalen Muster sind; wenn dich eine andere Liebesenergie durchströmt, die keine Unterschiede macht.
Du kannst die Freiheit von Verlangen bewusst anstreben. Dazu gibt es seit Jahrtausenden Erfahrungen aus verschiedenen spirituellen Traditionen. Wenn sie jedoch als Dogma oder Zwang gelebt werden, ist ein Zölibat mit unserer heutigen Orientierung auf persönliche Freiheit kaum vereinbar.
Hier sind einige Anregungen, wenn du frei von Verlangen sein möchtest.
- Wenn eine Person für dich anziehend ist und du fühlst Verlangen in dir aufsteigen, wende dich stattdessen diesem Gefühl zu – neutral, freundlich und entspannt. Lasse es wie andere Gedanken und Gefühle vorüberziehen.
- Vermeide Reize, die Verlangen in dir wecken. Verzichte zum Beispiel auf romantische oder erotische Medien.
- Suche dir Freunde oder eine Gemeinschaft von Menschen mit ähnlicher Ausrichtung.
- Wenn du Menschen begegnest, sieh ihre Essenz – weit jenseits der äußeren Form: Namaste.
- Wie wäre es, in anderen Menschen ausschließlich Bruder oder Schwester, Vater oder Mutter, Sohn oder Tochter zu sehen?
- Wenn Verlangen aufsteigt, schwelge nicht darin, sondern wende dich bewusst und entspannt deiner spirituellen Praxis zu.
- Wenn du eine transpersonale Gestalt für deine spirituelle Praxis nutzt, richte dein Verlangen ganz auf sie.
- Wenn das Verlangen sehr stark wird, mache dir bewusst, welche unangenehmen oder vielleicht sogar abstoßenden Aspekte du damit ebenfalls einlädst.
Am Ende des Tages ist deine Klarheit gefragt. Ich stelle dir in diesem Blogbeitrag eine von zwei Alternativen vor. Keine ist besser oder schlechter als die andere. Nur du kannst in dich hineinspüren, was für dich richtig ist. Ich empfehle dir, dich klar für die eine oder die andere zu entscheiden.
