Bedürfnisse und Liebesbeziehung

Ich bin sicher, in deiner Liebesbeziehung werden viele Bedürfnisse erfüllt. Sonst wärest du nicht darin. Und dennoch wird es auch Bereiche geben, wo du dich nicht wohlfühlst und deine Bedürfnisse nicht erfüllt werden.

Wann wird es schwierig?

Von dem Bedürfnis zur Realisierung sind es verschiedene Schritte. Schauen wir das an einem Beispiel im Detail an:

Frage: Was möchte ich gern tun oder erleben (eher sehr allgemein)? Ich habe das Bedürfnis nach einem sexuellem Abenteuer.

Frage: Wie würde ich mich fühlen, wenn dieses Bedürfnis erfüllt wird? Lebendig, Neugierde befriedigt, befreit von Einschränkungen, kribbeln im ganzen Körper, zufrieden mit mir, weil ich Grenzen überschritten habe.

Fragen: Kann ich dieses Bedürfnis wahrnehmen und ist es mir wichtig? Bin ich bereit, den Bereich meiner Bequemlichkeit und Sicherheit zu weiten? Will ich also dafür gehen? Alles Ja.

Frage: Was ist mein konkreter Wunsch, wie kann ich mir vorstellen, dieses Bedürfnis zu erfüllen? Ich erläutere meinem Partner meine Bedürfnisse und die erhofften Gefühle und bitte meinen Partner mit mir diese eine erotische Praktik auszuprobieren, von der ich träume. Ich bitte Ihn meinen Wunsch nur dann zu erfüllen, wenn es ganz leicht ist, so als ob sie/er kleine Entenküken füttern möchte. Sonst bitte ich darum, gemeinsam zu überlegen, auf welche andere Weise meine Bedürfnisse erfüllt werden können.

Fragen: Wenn ich es ausgesprochen habe, kann ich es emotional loslassen, egal, ob es realisiert wird? Bin ich offen für eine andere Art und Weise meine Bedürfnisse zu erfüllen? Beides Ja, sonst wäre es eine Erwartung oder Forderung und mein Partner könnte sich unter Druck fühlen.

So hast du eine gute Chance, dass dein Bedürfnis erfüllt wird – auch wenn vielleicht nicht der konkrete Wunsch erfüllt wird.

Wo liegen die Fallstricke?

Das größte Hindernis könnte darin bestehen, dass du gewaltfreie Kommunikation nicht beherrscht und/oder keinen Zugang zu deinen Gefühlen und Bedürfnissen hast.

Das zweitgrößte Hindernis liegt in der Rückwirkung von der negativen Erwartung an deinen Partner: du stellst dir vor, der Partner würde deinen Wunsch ablehnen, dich für pervers halten, und die Beziehung wäre gefährdet.
Damit diese Fantasie nicht wahr wird, entscheidest du dich, die Bedürfnisse möglichst nicht wahrzunehmen, wegzudrücken und jedenfalls nicht auszusprechen. Dies führt dazu, dass du dich von der Energie in deinen Bedürfnissen abschneidest, innerlich deinem Partner grollst und auf Distanz gehst.

Was kannst du tun?

Meine Empfehlung ist, die Unterschiede und Verbindungen zwischen Gefühlen, Bedürfnissen, Wünschen, Erwartungen und Forderungen kennenzulernen. Dazu solltest du dich zumindest über die Grundbegriffe der gewaltfreien Kommunikation informieren und möglichst einer Übungsgruppe anschließen.

Wir haben alle als Kinder gelernt, unsere Bedürfnisse wegzudrücken. Um deine Bedürfnisse neu kennen zu lernen: lege dir ein kleines Heftchen bereit. Auf der einen Seite schreibst du, ich will …, auf der anderen Seite des Heftchen: Ich will nicht…. Hier schreibst du morgens und abends alles hinein, was in dir aufsteigt. Tue dies mindestens 30 Tage lang und möglichst ohne innere Zensur. Und wenn du danach etwas Wesentliches darin findest, kannst du es deinem Partner in den oben genannten Schritten offenbaren. Der Rest des Heftchens geht deinen Partner nichts an.

Und es kann sein, dass es an der Zeit ist, dass du dich von der unbewussten Forderung verabschiedst, dass dein Partner für deine Wünsche da ist, dass du 100 % erfüllt bekommst oder das eine Liebesbeziehung dafür da ist, dass du immer glücklich bist. Diese Seite will dich einladen zu erkennen, dass dein tiefstes Bedürfnis daran besteht, Liebe zu verschenken.

Siehe auch
Liebesbeziehung oder Ko-Abhängigkeit

Der nächste Schritt in die Liebe (Liebeshinweise für Sie und Ihn),